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Im Einsatz für schwerkranke Kinder – Interview mit Toni Kroos

20.12.2022 Michael Schmahl

Auch in diesem Jahr unterstützen wir die Toni Kroos Stiftung wieder mit einer Weihnachtsspende. Im Interview erzählt der Fußballstar von Real Madrid die Beweggründe hinter seinem sozialen Engagement.

Toni Kroos mit erkranktem Kind un dessen Familie

(Toni Kroos Stiftung)

Was hat dich vor sieben Jahren dazu bewogen, eine Stiftung unter deinem Namen zu gründen?

Toni: Als ich im Dezember 2014 mit meinem Verein Real Madrid die Onkologie in einem Krankenhaus für schwerkranke Kinder besucht habe, saß ein kleiner Junge vor mir. Er hatte ungefähr das Alter von unserem ersten Sohn Leon und steckte mitten in der Chemotherapie. Das hat mich sehr berührt und mir war sofort klar, dass sich meine Stiftung um kranke und schwerkranke Kinder und deren Familien kümmern muss. Die Stiftung ist für mich und meine Frau Jessica eine absolute Herzensangelegenheit. Sie ermöglicht uns, selbst die Projekte auszusuchen und aktiv zu sein. Und das Wichtigste: Jede Spende kommt da an, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Alle laufenden Kosten von der Stiftung, wie Personal-, Verwaltungs- und Marketingkosten werden von uns privat getragen.

Was passiert mit den Spenden, die ihr sammelt?

Toni: Wir unterstützen inzwischen sechs Einrichtungen in Deutschland, das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland in Düsseldorf, das Kinder- und Jugendhospiz Sonnenhof in Berlin, das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln, das Kinderhaus in Viersen, die kinderneurologische Frührehabilitation im Clemenshospital in Münster und den Ambulanten Kinderhospizdienst Leuchtturm in Greifswald. Wir helfen den dort betreuten Familien und den Einrichtungen selbst. Wir leisten Einzelfallhilfen für die Familien und unterstützen sie mit Hilfsmitteln und Therapien, welche nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Wir erfüllen letzte Wünsche und versuchen für die Familien da zu sein. Seit dem Coronalockdown erhalten die Familien von uns zum Beispiel jährlich zu Weihnachten Pakete mit Überraschungen, um die Adventszeit zu verschönern. Die Familien freuen sich sehr darüber, dass wir an sie denken.

Zudem veranstalten wir Sommerfeste oder auch Fußballfeste für die Kinder und die Familien in den Einrichtungen oder laden Eltern und Geschwister zu Konzerten oder Fußballspielen ein. Die sechs Einrichtungen werden mit Hilfsmitteln unterstützt, die sie sich nicht immer leisten können oder sehr lange darauf warten müssen. Damit sollen die Bedingungen für die Kinder in den Einrichtungen verbessert werden. Auch Innovationen, wie Baby Paul haben wir gespendet. Das ist ein Frühgeborenensimulator, mit dem das Klinikteam die Erstversorgung von Frühgeborenen unter 1.000 Gramm trainieren kann. Die Toni Kroos Stiftung kümmert sich um Renovierungen oder auch Umbaumaßnahmen in den Einrichtungen. Zuletzt haben wir beispielsweise im Clemenshospital in Münster einen dringend benötigten Therapieraum für die kinderneurologische Frührehabilitation finanziert.

Toni Kroos mit einem erkrankten Kind

(Toni Kroos Stiftung)

Nach welchen Kriterien werden die Spendenempfänger ausgewählt?

Toni: Die Kinder, die wir unterstützen, sollten in einer der sechs Einrichtungen betreut werden, damit wir einen Bezug zu den Familien haben. Es ist uns wichtig, dass wir die Familien alle persönlich kennenlernen und uns so ein gutes Bild von der Situation verschaffen können. Außerdem dürfen wir nur wirtschaftlich bedürftige Familien unterstützen. Der Staat gibt hier genaue Grenzen vor. In Zukunft werden bestimmt auch noch weitere Einrichtungen dazu kommen.

Welche Begegnungen mit Betroffenen sind dir besonders ans Herz gegangen?

Als wir 2015 das erste Mal im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln zu Besuch waren und die Kinder überrascht haben, hat mir eine Mutter mit Tränen in den Augen gesagt, dass sie ihren Sohn schon sehr lange nicht mehr so glücklich und strahlen hat sehen. Das hat mich schon sehr berührt. Aber ich will eigentlich gar keine einzelnen Familien herausstellen, denn in den mehr als sieben Jahren, seit der Gründung, haben wir fast 200 Familien geholfen und die sind alle auf ihre Art besonders. Ich kann mich vor allen diesen Familien nur tief verneigen. Was sie täglich für ihre Kinder leisten, ist unfassbar. Die Eltern schwer kranker Kinder sorgen sich täglich um ihr Kind. Durch Corona wurden die Sorgen und Ängste noch größer, da die Kinder alle Risikopatienten sind. Das bedeutet sehr große Einschränkungen für die gesamte Familie, auch für gesunde Geschwisterkinder. Ich weiß nicht, wie man diese Sorgen und Belastung aushalten kann. Und genau das ist unser Antrieb. Wir möchten diesen Familien das Leben ein wenig erleichtern.

Wie sind deine Vorstellungen und Ideen für die Zukunft deiner Stiftung?

Wir möchten noch mehr schaffen und genau dort anknüpfen, wo sehr wenig geholfen wird. Auch gerne etwas Bleibendes für die Familien schaffen. Aus unserer Arbeit wissen wir zum Beispiel, dass die Familien mit schwer beeinträchtigten Jugendlichen oft Probleme haben, ihren erwachsenen Kindern ein selbständiges Leben zu ermöglichen. Was passiert mit 30-jährigen schwer erkrankten jungen Menschen? Oftmals bleibt nur das Altenpflegeheim und das ist nicht akzeptabel. Es muss in Deutschland mehr Orte für die Menschen geben, die ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Dasein ermöglichen. Hier stehen wir aber noch ganz am Anfang und haben uns ein erstes Projekt aus diesem Bereich gesucht, das wir ab 2023 unterstützen möchten. Es geht dabei um die Unterstützung eines Wohn- und Arbeitsprojektes für beeinträchtigte Jugendliche. Wir haben noch unglaublich viele Ideen und Projekte, so dass wir langfristig und nachhaltig in dem Bereich weiter wachsen werden – die Familien können auf uns zählen.

Vielen Dank für das Interview.

Mehr über die Empfänger unserer Weihnachtsspenden erfahren Sie in unserer News.

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